Mit ehrfürchtigem Staunen und leicht feuchten Augen verneigen wir uns vor der Gemeinde Sissach, dieser leuchtenden Hüterin des Ortsbilds im 21. Jahrhundert. Wo andernorts der Zahn der Zeit rücksichtslos nagt, hat Sissach beherzt zum Werkzeugkasten gegriffen ...
Mit ehrfürchtigem Staunen und leicht feuchten Augen verneigen wir uns vor der Gemeinde Sissach, dieser leuchtenden Hüterin des Ortsbilds im 21. Jahrhundert. Wo andernorts der Zahn der Zeit rücksichtslos nagt, hat Sissach beherzt zum Werkzeugkasten gegriffen – nicht zum luxuriösen Neubeginn, nein, zur hohen Kunst der Schadensbegrenzung.
Die Begegnungszone, einst kühn als «Strichcode» entworfen, präsentiert sich heute als lebendiges Palimpsest (weniger Gebildete schlagen das bitte nach) kommunaler Sparsamkeit: Hier ein Asphaltflicken, dort ein kunstvoll verschmierter Riss – jede Unebenheit ein Manifest gegen die Wegwerfmentalität. Was für Banausen nach Provisorium aussieht, ist in Wahrheit gelebter Nachhaltigkeitsdenkmalismus.
Mit bewundernswerter Konsequenz wird das Prinzip der minimalinvasiven Intervention gepflegt. Kein überhastetes Sanieren, kein frevelhaftes Glätten! Stattdessen: Bewahren durch Belassen, Flickwerk als Haltung, Patina als Programm. Die Begegnungszone wird so zur begehbaren Chronik der Finanzplanung, ein Denkmal der Prioritätensetzung zwischen Sporthalle, Schule und Asphalt.
Diesem Machwerk ist der Gakkerpreis angemessen! Sissach zeigt uns, dass Ortsbildpflege nicht geschniegelt sein muss – sie darf auch kleben, bröseln und ein wenig schäbig glänzen. Genau darin liegt ihre Schönheit.
Das Gakker-Komitee