Tischgespräch über Demokratie
20.02.2026Mutter und Tochter zu den Rede-Wettbewerben mit Freinachtbewilligung
Tochter Fatima: Mami, heute haben wir in der Schule gelernt, was Demokratie ist. Leider habe ich nicht ganz verstanden, was eine Gemeindeversammlung ist.
Mutter Eva: Die ...
Mutter und Tochter zu den Rede-Wettbewerben mit Freinachtbewilligung
Tochter Fatima: Mami, heute haben wir in der Schule gelernt, was Demokratie ist. Leider habe ich nicht ganz verstanden, was eine Gemeindeversammlung ist.
Mutter Eva: Die Gemeindeversammlung ist bei uns in Gelterkinden eine Art Redeschlacht, die mindestens so lange dauert, wie ein langweiliger Morgen in der Schule.
Tochter: Was machen denn die Leute dort so lange? Ist die Redeschlacht so etwas wie ein Wettbewerb?
Mutter: Ja, so kann man das sehen. Da gibt es die Dorfregierung, die Gemeinderat genannt wird und die Vorschläge macht, wie man das Zusammenleben gestalten kann. Dann stehen alle schön geordnet auf, die alles besser wissen, und erklären, was der Gemeinderat falsch macht. Auffällig ist auch, dass alles billiger sein muss.
Tochter: Du meinst so eine Art Aldi-Demokratie? Aber wer sind die Leute, die immer alles besser wissen?
Mutter: Da gibt es zwei Gruppen: Die eine Gruppe bilden die ehemaligen GemeinderätInnen, die ganz kurz oder sehr lang im Amt waren. Die andern sind die Angehörigen einer uralt eingesessenen Familie, die schon immer das Sagen hatte. Wenn sie so reden, dann baaden sie so richtig im Klang ihrer endlosen Voten. Manchmal reden an einer Versammlung mehr als sechs Personen mit dem gleichen Familiennamen, und das meist mehrmals und nicht allzu kurz.
Tochter: Ja, und die anderen? Hören die einfach zu und staunen, dass man so viel wissen kann?
Mutter: Viele sind begeistert, andere bekommen einen roten Kopf oder grüne Haare, andere schlafen ein oder träumen von kurzen Versammlungen. Und ja – viele kommen einfach nicht mehr.
Tochter: Wenn es so lange geht, warum kürzt dann der Gemeinderat die Versammlung nicht ab?
Mutter: Das ist eine schwierige Frage, denn die Redefreiheit ist ein hohes Gut. Vorschläge für Redezeitbeschränkungen durch den Gemeinderat würden sofort zu noch längeren Wortmeldungen führen. Auch braucht es Erfahrung im Meistern von Verspätungen, aber das sollte ja der jetzige Gemeindepräsident als Eisenbähnler kennen.
Tochter: Geht es jetzt immer so weiter?
Mutter: Das ist zu befürchten, doch kleine Hoffnungsschimmer gibt es: Der Gemeinderat prüft intensiv, ob er mit wöchentlichen Gemeindeversammlungen die Redefluten eindämmen könnte. Und eine Gruppe von verstummten Bürgern sammelt Unterschriften für eine Petition zur Kürzung der Redezeit via Abstimmung an der Urne, also ohne «Gschnuur».
Top three Speakers
Die Auszählung von Voten bei Gemeinderversammlungen von 2023 bis 2025 hat klare Sieger ergeben. Alle Medaillen gingen verdientermassen an die Familie Duuscher, eingebürgert in Gelterkinden um 1291.
Gold: Michi the Ex (21 Solo-Auftritte)
Silber: Chäspi His Grey Eminence (16)
Bronze: Sämi the Last Hope (8)
