Park der zerbrochenen Träume

  20.02.2026 Fasnacht

Ein Prominentenrennen hätte der Höhepunkt der Eröffnung des Fail-Centers in Fitingen werden sollen. Thomas Schneugger vom Amt für Körperertüchtigung hatte für die Inbetriebnahme des Zweirad-Parks alles minutiös vobereitet; der Weisswein vom Sonnenberg für den Apéro war bestellt. Als die Shitinger den geschenkten Gaul dann aber in die Rossmetzg schickten, schaltete Schneugger um in den Grad-zleid-Modus. Getreu dem olympischen Gedanken, Arenen nur für einen einzigen Wettkampf zu errichten und sie hinterher verlottern zu lassen, erteilte der Kantonsoberturner trotzdem den Baubefehl.

Brückenelemente, Leitplanken und Schikanen waren rasch und günstig verfügbar, weil die Widerständler von Diekte bis Dännike gegen die Wild-, Wiesel- und Waschbärbrücke über die A2 mobil gemacht haben. Die Tierbrückenbauer klöpften stattdessen den Fitinger Parcours in einem derartigen Tempo hin, dass alle, denen Anwohner, Gerichte, Denkmal- und Naturschutz oder die Demokratie jemals ein Projekt geschrottet hatte, vor Neid erblassten.

Am Tag des Rennens wähnt man sich wie am WEF in Davos. Kathrin Schweizers Polizei-Sondereinheit Barrakuda:in hat Fitingen Nord hermetisch abgeriegelt. Wer hinein will, benötigt eine Startnummer oder eine beglaubigte Kopie des Fail-Center Abstimmungszettels mit einem «Ja» drauf.

Als Trost für den entgangenen Regierungsund den wahrscheinlichen Gemeinderatssitz darf Sabine Wucher das Rennen starten. Sie schiesst und John Goldfinger tritt in die Pedale, als seien die PUK und die BLKB-Zertifikatsinhaber mit Fackeln und Heugabeln hinter ihm her. Panisch erarbeitet er sich rasch einen Vorsprung aufs Feld, verbremst vor der Radi-Kante aber und stürzt. Er hat es verpasst, rechtzeitig abzuspringen. Anzug und Frisur sitzen zwar noch, sein Bike aber ist übelst ramponiert.

Als Ultra-Langstreckler ist Martin Rüegg, Gemeiner Rat in Geldverschwinden, gemächlich gestartet und passiert den gestrauchelten Goldfinger als letzter. Sein Sportsgeist sagt ihm: «Hilf dem Mann auf die Beine!», als Sozi alter Schule ruft er dem Klassenfeind zu: «Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.» Ihn selber ereilt dieses Schicksal in der nächsten Schikane, wie unlängst beim Rünenberger Brüggli: Er hatte es wütend demoliert, als ihm Ex-Kollege Remo Schlossert von schräg gegenüber erklärte, wie gut und günstiger bauen geht. Vor der «Campus Boccia»-Kehre nimmt Rüegg zu spät Tempo raus, kommt vom rechten Weg ab und landet auf dem Hosenboden in der Realität.

Er schaut den Konkurrenten hinterher, wie sie mit Karacho aufs Rundwiler-S zurasen, benannt nach dem hiesigen Gmäinimuni. Der will bei seinen Leuten mit einer Trophäe für den Kranzkasten im Gemeindehaus nach einigen politischen Fehlgriffen Gutwetter machen. Vor dem Fail-Center hatte er ihnen am Bahnhof ja einen Plattenbau vorsetzen wollen und nun soll eine Münchensteiner MFP-Filiale das 17-Fache des befürchteten Fail-Center-Verkehrs nach Fitingen bringen. Dann ein Knall. Nicht vom Schiesskeller, einer weiteren Planungsleiche im Dorf, sondern vom Hinterrad des «Breesis»: Platten. Mundi ist raus.

Das ausgedünnte Feld nähert sich der Fix-Madun-Traverse, die im Abschlusstraining keiner so geschmeidig genommen hat wie Didi Wanner vom «Onkel Joker». Seit die Schwenkmalpflege die Helvetia-Immobilienmogule beim Sissacher Bahnhofstrassen-Monopoly nach allen Regeln der Kunst abgezockt hat, ist der Wirt gechillt wie eine Piña Colada und freut sich auf die nächsten 20 Jahre Zwischennutzung. Das ausgiebige Feiern hat seine Waden aber sauer werden lassen. Von Krämpfen geplagt, steigt er vom Bike.

Noch im Rennen ist Veteran René Schlenker, der das Fail-Center mit dem Sportamt ausgeheckt hatte. Der kampferprobte Zweirad-Kämpe hat sich ans Hinterrad der Oberbaselbieter Kunstkooperative geheftet: Im Sattel Ruedi Tschudin, auf dem Gepäckträger Peter Thommen und als Kühlerfigur in der Cargo-Mulde Sabine Gysin. Das Gespann nähert sich dem Kreisel als letzte Schlüsselstelle. Mittendrauf das von ihnen gezimmerte Werk «Favela», eine metaphorische Anklage gegen Gewalt am Bau, Menschenhandel, Atomkraft, Plastikinseln, Klimaerwärmung, Social Media, Corona, […], die Ausrottung der madegassischen Gelbschwanzlemuren und Neinsager. Nachdem die Sissacher die Bretterbude nach dem Jubiläumsjahr endlich warm sanieren wollten, erhoffen sich dessen Urhebende von den Fitingern mehr Wertschätzung. In Gedanken versunken nimmt Pilot Tschudin im Kreisel die falsche Ausfahrt.

Zwischen Schlenker und dem nahen Ziel befindet sich nun nur noch Stephan Smarti. Der hat dank seiner Kollegen im Gemeinen Rat von Sissach viele Trainingskilometer in den Beinen: Die haben ihn nämlich dazu verdonnert, seine illegal kassierten Parkgebühren und Bussen an alle Geschröpften zurückzubezahlen und das Geld persönlich abzuliefern. Gedemütigt, aber fit wie ein Turnschuh, überrollt Smarti die Parkour-Buckel, während Schlenker sie im Flug nimmt und zu ihm aufschliesst. Sie nähern sich der Ziellinie, mobilisieren letzte Kräfte … und werden von Goldfinger überholt, der im Stile eines Quer-Fahrers mit geschultertem Wrack an ihnen vorbeirennt und siegt, immer noch den Lynchmob auf den Fersen. Im Sieger-Interview wird er sagen: Es ist nicht die Kondition, die Sieger macht, sondern die richtige Motivation.


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