«Nächster Halt: Liestal!»
09.06.2026 RegionWie das Baselbiet zur Eisenbahn kam
vs. «Die Schweizer brauchen viel Zeit für einen Entscheid.» So äusserte sich schon im 17. Jahrhundert sinngemäss ein französischer Adeliger in einem Schreiben an den Sonnenkönig. Auch bei der ...
Wie das Baselbiet zur Eisenbahn kam
vs. «Die Schweizer brauchen viel Zeit für einen Entscheid.» So äusserte sich schon im 17. Jahrhundert sinngemäss ein französischer Adeliger in einem Schreiben an den Sonnenkönig. Auch bei der Einführung der Eisenbahn ging es hier länger als in den umliegenden Staaten. Zwar rollten die ersten Züge bereits 1844 auf Schweizer Boden, aber vorerst nur als Stichbahn vom Elsass an die Basler Stadtperipherie.
Und der Eröffnung der «Spanisch-Brötli-Bahn» von Zürich nach Baden (1847) folgten zunächst keine Anschlusslösungen. Aber damals war es angesichts des Sonderbundkriegs sehr unruhig in der Schweiz. So konnten erst nach der Gründung des Bundesstaates (1848) und nach dem danach in Bern erstrittenen Entscheid zugunsten von Privatbahnen anstelle einer Staatsbahn namentlich in Zürich und Basel Eisenbahnpolitiker, Wirtschaftsführer und Finanzleute loslegen und mit Planung und Aufbau eines Bahnnetzes beginnen. Am schnellsten war Basel, wo bereits ab Ende November 1854 die ersten Personenzüge zwischen Basel und Liestal verkehrten. Somit gehört diese Strecke zu den drei allerersten Bahnlinien der Schweiz, und Liestal kam zu einem der ersten Bahnhöfe in unserem Land.
Wie die Schweiz zur Eisenbahn kam und namentlich das Baselbiet auf eiserner Spur erschlossen wurde, wird im Vortrag des Kulturwissenschaftlers Dominik Wunderlin beleuchtet. Dass damals nicht alles reibungslos ablief, überrascht nicht, angesichts des Tempos, in dem das Trassee vermessen und expropriiert wurde, damit der Schienenstrang verlegt werden konnte.
Und dann mussten auch noch die Haltepunkte der Bahn definiert und Hochbauten erstellt werden. Wie das in Liestal vonstattenging und ob wir Parallelen zwischen den 1850er-Jahren und heute sehen können, kommt im Referat ebenfalls zur Sprache. Sicher anders als damals ist, dass in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch viele Kurgäste die neue Annehmlichkeit schätzten und dass der Bahnanschluss ein gutes Argument für einen Aufenthalt in einem der Baselbieter «Kur-Etablissements» war.
Der Vortragsabend war als Beitrag zum nun ausgefallenen Bahnhoffest geplant, ist aber zugleich eine Begleitveranstaltung zur Sonderausstellung «Badekuren im Entdeckerland. Zur Geschichte des Fremdenverkehrs zwischen Jura und Rhein», die noch bis zum 3. Januar besucht werden kann.
Vortrag «Wie das Baselbiet zur Eisenbahn kam», Freitag, 12. Juni, 19.30 Uhr, Distl – Dichter:innen- und Stadtmuseum, Rathausstrasse 30, Liestal.
