frei nach Heinrich Hoffmann
Es zog der Zunzger Jägersmann
Sein grasgrün neues Röcklein an;
Nahm Ranzen, Pulverhorn und Flint’ –
Und lief dann in den Wald geschwind.
Er trug ‘s Patent in seiner Tasch‘
Und macht’ ein Päuselein ganz rasch.
Jetzt schien die Sonne gar zu sehr,
Da ward ihm sein Gewehr zu schwer.
Er legte sich auf seinen Bauch –
Das sah ein and’rer Jäger auch.
Und als der Erste schnarcht’ und schlief,
Der and’re heimlich zu ihm lief
Und nahm die Flint’ und auch ‘s Patent –
Was Ersterer zu spät erkennt.
Den Jagdschein hat der Neue jetzt,
Den Alten vor sich her er hetzt.
Der Alte läuft und springt und schreit:
«Zu Hilf’, ihr Leut’, zu Hilf’, ihr Leut’!
Ich bin vom Jagdverein von Zunzgen,
Ich jage hier und nicht in Gunzgen.»
«Du bist Vergangenheit, sieh’s ein,
Heut’ schiesst der Zunzger Jagdverein»,
Sagt d’rauf der Neue, zeigt zum Wald,
«Hier mach’ jetzt ich die Bambis kalt.»
«Gemach, gemach! Du wirst’s erleben,
Ich werde Einsprache erheben»,
Sagt Ersterer und blickt, o Graus,
Hinüber zum Gemeindehaus.
Geschossen wird im Dorf seither
Nicht mehr mit Jägers Schiessgewehr.
Rekurs heisst nun das Zauberwort –
Das Schwarzwild pflanzt sich fleissig fort.
Der Fuchs, in aller Seelenruh,
Bevor er macht die Augen zu
Und sich danach ans Schlafen macht,
Zum Has’ entspannt sagt: «Gute Nacht.»