«Das Volkstheater darf man nicht abwerten»
09.06.2026 Kultur, Baselbiet, GelterkindenDie Personen hinter dem Jugend Theater BL stellen sich vor
Die Jugendlichen Elisa Arcerito und Gina Gürtler spielen im Jugend Theater BL unter der Leitung von Lena Coray. Die drei erzählen, wie wichtig dieses Angebot für die Region ist und worum es im Stück «Zone ...
Die Personen hinter dem Jugend Theater BL stellen sich vor
Die Jugendlichen Elisa Arcerito und Gina Gürtler spielen im Jugend Theater BL unter der Leitung von Lena Coray. Die drei erzählen, wie wichtig dieses Angebot für die Region ist und worum es im Stück «Zone 1» geht, das morgen im Marabu Premiere feiert.
Carolina Mazacek
■ Frau Coray, was ist das Jugend Theater BL?
Lena Coray: Regula Schöni und meine Mutter Cynthia Coray haben diese Theatergruppe 2018 im Marabu gegründet. Sie wollten jungen Menschen aus dem Oberbaselbiet, die gerne Theater spielen, die Möglichkeit dazu geben. Als das Marabu umgebaut wurde, sind wir ins Theater Palazzo umgezogen. Wir waren sehr dankbar, dass wir für diese Zeit einen Platz fanden. Nun wieder im schönen Marabu zu sein, ist für mich sehr nostalgisch, denn ich habe damals, mit 14 Jahren, als Spielende hier angefangen. Ausserdem ist Gelterkinden das zentrale Dorf des Oberbaselbiets, sodass Menschen, die zum Beispiel in Anwil wohnen, professionell geleitete Theaterkurse besuchen können.
■ Sie waren früher selbst eine Spielende in dieser Theatergruppe, jetzt übernehmen Sie die Kursleitung und die Regie mit Ihrer Mutter. Wie kam es dazu? Coray: Theater war immer ein grosser Teil meines Lebens. Als Jugendliche habe ich mich davon abgegrenzt, weil ich andere Dinge ausprobieren wollte. Irgendwann habe ich jedoch gemerkt, dass ich die Schauspielerei als Beruf sehe.
■ Frau Gürtler, Sie sind sowohl Spielende als auch im Vorstand des Theatervereins aktiv. Warum wurde ein Verein gegründet?
Gina Gürtler: Wir möchten Menschen die Möglichkeit geben, unser Projekt finanziell zu unterstützen, beispielsweise für das Bühnenbild, die Requisiten und die professionelle Leitung. Dass wir mittlerweile zwei Kurse anbieten, für 10- bis 14-Jährige und für 14- bis 24-Jährige, ist ein grosser Fortschritt. Als Dank laden wir die Mitglieder zur Premiere ein und an der Generalversammlung kann über die Zukunft des Vereins mitentschieden werden. Vor allem geht es darum, dass mehr Menschen von uns erfahren und wir eine grössere Sichtbarkeit in der Region erreichen. Ein Verein professionalisiert das Jugend Theater BL ein Stück weiter.
■ Ist das Jugend Theater BL ein Gegenpol zu traditionellen Theaterabenden?
Coray: Es ist eine Ergänzung und kein Gegenpol, denn es ist wichtig, dass es in der Region viele Kulturmöglichkeiten gibt. Wenn jemand mehr Lust auf postmodernes Theater hat, muss er oder sie nicht bis nach Basel fahren, sondern kann das hier ausleben. Meine künstlerische Devise ist: Wenn Kunst berührt und Anklang findet, hat sie eine Daseinsberechtigung – egal, ob es sich um postmodernes Theater oder um ein Volkstheater handelt. Ein Volkstheater darf man nicht abwerten, es ist genauso wertvoll.
■ Gina Gürtler und Elisa Arcerito, erzählen Sie, wie es ist, in einem Jugendtheater aktiv zu sein.
Elisa Arcerito: Ich bin seit sechs Jahren dabei und jedes Jahr ist das Stück etwas völlig Neues. Am Anfang haben wir das Gefühl: Wohin führt das? Aber dann beginnen wir mit den Proben und es wird gut. Es ist verrückt, die Weiterentwicklung von sich selbst, aber auch von Personen, die seit einem Jahr dabei sind, zu beobachten.
Gürtler: Das Theater ist eine Konstante in meinem Erwachsenwerden und ein sogenannter Safe Space. Egal, was passiert ist, man geht ins Theater und kann dort den Alltag hinter sich lassen. Bei Unsicherheiten und Fragen helfen Cynthia und Lena immer weiter und geben Tipps, was sich noch verbessern lässt.
■ Das Theaterstück «Zone 1» ist selbst geschrieben. Wie ist es entstanden?
Coray: Im ersten Halbjahr erlangen die Teilnehmenden Grundkenntnisse in Bühnenpräsenz und Improvisation, damit sie sich auf der Bühne wohlfühlen können. Cynthia und ich überlegen, wie wir die Gruppe noch mehr fördern können. Diese Improvisationen entwickeln wir zu einer Geschichte und machen sie in intensiven Proben und Proben-Weekends bühnentauglich, sei es, um Übergänge zwischen den verschiedenen Szenen zu entwickeln oder an Feinheiten zu schleifen. Wir haben das Glück, dass sich die Jugendlichen bei uns sehr aufgehoben fühlen. Dadurch können sie eine grosse emotionale Leistung erbringen. In diesem Stück steckt von jedem etwas, seien es Textabschnitte oder Ideen, und jeder kann sich darin wiederfinden.
■ Worum geht es im Theaterstück?
Arcerito: Es geht um ein dystopisches Zukunftsszenario in einem Schutzraum, in dem Kontrolle und Sicherheit sehr wichtig sind. Wir beleuchten es aus unserer Schweizer Sicht. Du hast ein privilegiertes Leben, aber es gibt trotzdem viel Kontrolle und Angst. Genau das möchten wir mit unserem Theaterstück zeigen.
Gürtler: Das Stück zeigt, dass es nicht immer nur Schwarz und Weiss gibt, sondern auch Grauzonen. Man sollte die Begriffe Privileg und Angst im Hinterkopf behalten, wenn man sich das Stück anschaut.
■ Was wird das Publikum erwarten?
Coray: In unserem Theaterstück arbeiten wir mit Licht, Choreografie, Spoken Word, Audio und Musik. Wir versuchen, die Emotionen im Vordergrund zu behalten. Die Multimedialität soll die Jugendlichen bei der Darstellung ihrer Momente und Emotionen auf der Bühne unterstützen.
■ Wie würdet ihr dieses Theaterstück in einem Satz beschreiben?
Arcerito: Ich nenne drei Adjektive: düster, hoffnungsvoll und berührend.
Coray: Es ist eine emotionale Achterbahn, die Freiraum für Selbstinterpretation lässt.
Gürtler: Ein Blick durch eine mögliche Zukunftsbrille.
Zwei Aufführungen im Marabu
cam. Der «Kurs 2» des Jugend Theaters BL führt sein selbst geschriebenes Theaterstück «Zone 1» morgen Mittwoch, 10., und Freitag, 12. Juni, jeweils um 20 Uhr im Gelterkinder Marabu auf. In diesem Ensemble spielen elf Menschen im Alter von 14 bis 20 Jahren aus dem Oberbaselbiet. Zu den Schauspielenden gehören Gina Gürtler, die im Vorstand tätig ist, sowie Elisa Arcerito, die seit sechs Jahren dabei ist. Regie und Kursleitung übernehmen Lena und Cynthia Coray. Tickets sind auf www.jugendtheaterbl.ch erhältlich.


