Baudirektor Isi: Ab in den Baumarkt
20.02.2026 FasnachtSodeli, dieser Schachzug hat gesessen, hehe! Mit meinem Rücktritt zur Unzeit habe ich alle auf dem total falschen Fuss erwischt!
Haben die vielleicht grosse Augen gemacht im Landrat, als ich ihnen allen als Vermächtnis einen teuren Wahlkampf vermacht habe! Einen für mich ...
Sodeli, dieser Schachzug hat gesessen, hehe! Mit meinem Rücktritt zur Unzeit habe ich alle auf dem total falschen Fuss erwischt!
Haben die vielleicht grosse Augen gemacht im Landrat, als ich ihnen allen als Vermächtnis einen teuren Wahlkampf vermacht habe! Einen für mich ganz allein, ganz ohne Moni. Ein Isi-Gedenk-Wahlgang sozusagen. Oder auch zwei.
Das habe ich mir verdient! Kosten spielen keine Rolle. Haben sie bei mir noch nie. Solche Kostenkritik an mir sei gerechtfertigt, habe ich zwar kürzlich in einem Interview listig gesagt. Gedacht habe ich: Nach mir die Schuldenflut!
Stören tut mich bei meinem Abgang nur eins: Diese Tschudy-Villa! Sie steht da wie ein Mahnmal meiner Amtszeit: Eine Ruine im Stillstand! Und wer hat mir das eingebrockt? Meine Denkmalpflegerin! 27 Jahre lang hat sie alles verhindert, was nach Fortschritt roch. Ich sage ja immer: In meiner Direktion wird nicht gebaut, es wird bewahrt. Vor allem Probleme. Aber das sage ich natürlich nicht laut.
Aber gut. Jetzt packe ich halt selber an. Als ehemaliger Baudirektor bin ich prädestiniert fürs Bauen. Planung kann ich. Koordination auch. Ich sehe mich schon vor der Villa stehen, Bauhelm auf, Doppelmeter in der Hand. Zuerst ein Kaffi im «Vitrum». Dann eine Vision. Dann eine Stange im «Stöpli». Dann ein Masterplan. Dann Feierabendbier im «Lindbi». Am Tag darauf vielleicht ein Nagel. Ich habe beschlossen, die Villa Stein für Stein wieder aufzubauen, um das Denkmal meiner Amtszeit aufzuhübschen. Sollte der Schandfleck danach schiefer sein als jetzt, kann ich immer noch sagen, es handle sich um eine neue Dependance des Faveladörfchens auf dem Kreisel vor dem Tunnel. Ich bin schliesslich nicht der einzige, dem nicht alles gelingt!
Man wirft mir ja vor, manches sei nicht ganz rund gelaufen. Die Velohochbahn zum Beispiel, mein «Highway to Helm». Ich fand die Idee bestechend. Filzvorwürfe? Unsinn! Das war soziale Netzwerkarbeit im urbanen Grünraum! Dass der Klausi nach meinem Absprung – Doppelsalto gestreckt, keine Schrauben, also mehr als der Eggimann auf dem Trampolin – von der Hochbahn uralt aus der Wäsche geschaut hat und danach zur FDP gefilzt ist, ist nicht meine Schuld. Was der geraucht hat, weiss ich also auch nicht!
Sowieso sind die meisten Vorwürfe an mich komplett falsch. Das viel zu teure Gerichtsgebäude in Liestal? Gerechtigkeit hat eben ihren Preis! Und wenn sie mehr kostet, dann ist sie vermutlich besonders gerecht. Der neue Verwaltungsbau? Gut, da bin ich um ein paar Kommastellen verrutscht. Aber Verwaltung braucht Raum. Vor allem für Rechtfertigungen.
Und ja, das Herzstück ist versenkt worden. Dabei war das schon unterirdisch geplant. Der Rheintunnel auch. Der Zubringer Allschwil steckt ähnlich passend im Loch. Aber immerhin habe ich den Margarethenstich noch durchgedrückt. Demokratie ist schon recht, doch manchmal braucht es einen Pflegeschnitt von solchen, die etwas von der Sache verstehen.
Wie im Rebberg! Reber und Reben – das ist doch Fügung! Wenn ich schon politisch nichts mehr anbauen kann, dann wenigstens Trauben. Und wenn der Wein sauer wird, dann ist es eben Charakter! Bestimmt kann ich dem
Toni ein paar Flaschen als Staatswein andrehen. Sauer macht lustig, und das kann der Toni brauchen, ich sage nur: PUK!
Hürzi hat in der Zeitung gelesen, dass ich mich scheints freue, nach meinem Rücktritt mehr Zeit für die Familie zu haben. «Hat mir gerade noch gefehlt!», hat sie ausgerufen. Hürzi beobachtet meine Baupläne mit der Tschudy-Villa mit einer Mischung aus Feldstecher, Mitleid und latenter Panik. Schon seit immer schaut sie besorgt, wenn ich ein Werkzeug anfasse. «Du spielst doch lieber Schach», sagt sie dann. Ja, Schach. Da kann man ebenfalls verlieren. Immerhin gibt es da nur aufs Dach und dasselbe stürzt nicht gleich ein.
Aber man muss Niederlagen halt richtig einordnen. Als passionierter Segler kann ich sagen: Gegenwind ist nur eine Frage der Perspektive. Wobei Wind nach sieben Jahren grüner Energiedirektor ohne ein einziges Windrad kein besonders gutes Stichwort ist. Auf meiner Tschudy-Villa hat dann bestimmt noch eines Platz. Wir sehen uns im Baumarkt.
