David Bröckelmann – Kabarettist

Fr, 07. Jun. 2019

«Möchte einen kaputten Kommissar spielen»

Im «Volksstimme»-«Nachtcafé» hat der Schauspieler und Stimmen­imitator David Bröckelmann erzählt, warum er keine Frauen parodiert. Zur Freude des Publikums liess der Binninger auch einige seiner bekanntesten Rollen sprechen. 

Alle waren sie da. Hakan Yakin, Pascal Couchepin, Christian Gross, Kurt Aeschbacher und noch einige bekannte Schweizer Stimmen mehr. Und das, obwohl auf dem Stuhl gegenüber von «Nachtcafé»-Moderator Jürg Gohl am Freitag in der Oberen Fabrik nur einer sass: David ­Bröckelmann. Bei seinen Antworten bediente sich der Schauspieler und Stimmenimitator gerne der Unterstützung von Yakin, Couchepin und Co., sodass auch Moderator Jürg Gohl, der sich nach eigener Aussage vorgenommen hatte, nicht zu lachen, oft nicht an sich halten konnte. 

Beim Repertoire an Personen, die der Binninger imitiert, fallen zwei Dinge besonders auf: Seine Paraderollen sind ausnahmslos männlich, und vornehmlich aus der Fussballbranche. Ersteres hat nichts damit zu tun, dass Frauen sich nicht nachahmen liessen. Als Mann sei es schwierig, die Tonlage genau zu treffen, sagt der 47-Jährige, der regelmässig als Gast und Mitarbeiter in der Sendung «Giacobbo/Müller» im Schweizer Fernsehen zu sehen war. «Wenn man perfekt sein will, muss man da verzichten.» Seine Vorliebe für Fussballer begründete er damit, dass diese häufig ihre Marotten und Eigenarten hätten, die ihnen einen hohen Wiedererkennungswert gäben. Wobei Bröckelmann mit einem Augenzwinkern relativiert: «Die Fussballer heute sind nicht mehr so substanziell wie die von früher.»

Er könne nicht einfach jeden nachahmen, sagt Bröckelmann. «Ich muss die Person im Ohr haben, um frei zu sprechen. Manche liegen mir, andere nicht.» Seit einem misslungenen Auftritt auf einer Firmenfeier, bei der er den Chef parodieren sollte, lehne er solche Anfragen daher ab. 

Eine prägende Figur

Auch wenn es beim Parodieren von Personen darum geht, ihre Eigen­heiten zuzuspitzen, haue er die Promis nicht einfach in die Pfanne. «Ich verdanke diesen Leuten viel», sagt Bröckelmann. Unangenehm werde es manchmal, wenn er auf die Opfer seines Spotts trifft. So habe er bei ­einer Nummer einmal Hakan Yakin weggelassen, weil dieser sich im Pub­likum befand. Danach habe sich dieser beinahe darüber beschwert, dass Bröckelmann ihn diesmal nicht parodiert habe. 

Obwohl Bröckelmann derzeit in der Comedy-Sparte zu Hause ist, ist er auch anderen Rollen gegenüber nicht abgeneigt. Auf die Frage eines Gastes, welche Rolle er gerne spielen würde, lautet seine Antwort ohne langes Zögern: «Einen kaputten Komissar. Mit Augenringen und Abgründen.» Reizen würde ihn daran vor allem die reduzierte Mimik. Beim Parodieren von Personen sei diese lebhaft und übertrieben.

Sein Talent fürs Imitieren entdeckte David Bröckelmann als Kind durch seinen autistischen Bruder. «Ich habe ihn gnadenlos parodiert.» Bei seinem Bruder kommt Bröckelmanns ernste Seite zum Vorschein. «Es ist ein Privileg und eine Bereicherung, ihn in meinem Leben zu ­haben.» 

Bröckelmann ist nicht nur als Stimmenimitator tätig. Er gehört seit Jahren dem Ensemble der Basler Vorfasnachtsveranstaltung Pfyfferli an.  Zusammen mit seiner Frau Salomé Jantz steht er mit dem gemeinsamen Kabarett-Programm auf der Bühne oder ist mit ihr bei szenischen Stadtführungen in Basel unterwegs. Dass man ihn trotzdem häufig auf den Stimmenimitator reduziert, führt Bröckelmann aufs Fernsehen zurück, durch das er in dieser Rolle ins Bewusstsein von mehr Menschen gelagt sei, als durch Auftritte am «Pfyfferli» oder anderswo. Es störe ihn auch nicht, wenn es heisse: Die Schauspielerin und der Parodist. «Oder jedenfalls fast nicht.»

Bröckelmann ist zudem die Stimme von «Kasperli» in den neuen Hörbüchern. Dessen Zürcher Dialekt hatte die Figur von Jörg Schneider  und Bröckelmann spricht ihn originalgetreu nach. «Jörg Schneider war für mich sehr prägend, ich bin mit ‹Kasperli› aufgewachsen. Deshalb ist es toll, dass ich ihn heute selber spielen darf.»

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