Auf dem Weg ins Jahr 2040

| Do, 13. Jun. 2019

Daniel Schaub

Revolutionäres bietet es nicht wirklich, das Räumliche Entwicklungskonzept (REK) 2040 für die Gemeinde Sissach, das am Dienstagabend der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Doch es setzt einige interessante Leitplanken, wie sich die Gemeinde in den nächsten beiden Jahrzehnten baulich, verkehrstechnisch und raumplanerisch entwickeln soll.

«Sissach verfügt über eine schon heute sehr gute Ausgangslage. Es gilt in erster Linie, die bestehenden Qualitäten zu erhalten und neue zu schaffen – und dies immer mit einem Blick aufs Gesamte», sagte Jürgen Hengsberger, Raumentwickler bei der Brugger Firma Metron AG, die den Gemeinderat und die örtliche Bau- und Planungskommission bei der Erarbeitung des REK massgeblich unterstützte.

Einkaufen im Zentrum
Einige der in einem strategischen Leitbild festgelegten Grundsätze, die dem REK zugrunde liegen, waren im Zusammenhang mit aktuell geplanten Bauvorhaben in der Gemeinde schon ersichtlich geworden. Der Wunsch, im Bahnhofsgebiet aufgrund der optimalen Anbindung an den öffentlichen Verkehr eine markante Verdichtung zu erreichen, wurde im Zusammenhang mit den Quartierplänen Bahnhof Zentrum schon akzentuiert. Dasselbe gilt auch für das Tobler-Areal, das die Helvetia Versicherungen neu überbauen werden. Eine klare Absage erteilt das REK indes allfälligen Ideen für künftige Hochhausbauten in Sissach. «Das REK orientiert sich an der aktuellen Gemeindestruktur, Hochhauszonen sind nicht vorgesehen», unterstrichen Hengsberger und Gemeindepräsident Peter Buser unisono.

Die Wohndichte in Sissach soll von aktuell rund 70 Einwohnern pro Hektare durch die Entwicklung der noch bebaubaren Areale auf einen Wert zwischen 80 und 120 gehoben werden. Massvolles Wachstum nennt sich das dann, die Bevölkerung soll bei einer Zunahme von 1 Prozent bis ins Jahr 2035 auf 8100 Personen (heute: 6700) anwachsen, die Anzahl Arbeitsplätze etwas stärker um jährlich 1,5 Prozent auf 5100 (heute: 4100). Offene Wohnbaugebiete befinden sich in Sissach neben der Bahnhofsumgebung, die im REK als «primäre Entwicklungsbausteine» bezeichnet werden, noch in den Gebieten Bützenen-/ Rebackerweg im Osten, Rütschete sowie am Brunnmatt-/Grienmattweg.

Im Gewerbebereich bildet das Gebiet Brühl als kantonal bedeutend einen Schwerpunkt. Hier sollen wertschöpfungs- und arbeitsplatzintensive Betriebe angesiedelt und bewusst auf Detailhandel verzichtet werden, um auch das intakte Dorfzentrum als primären Einkaufsort zu stärken. Der Gemeinderat hatte hierzu schon im Sommer 2018 eine Planungszone eingerichtet, um die gewünschte Entwicklung zu gewährleisten («Volksstimme» vom 6. Juni).

Netzenunterführung im Gespräch
Die Begegnungszone, im REK als «Lebensader des Orts» mit vielen schützens- und erhaltenswerten Bauten bezeichnet, soll weiter optimiert werden. Das REK regt unter anderem eine Reduktion von Parkplätzen sowie die bessere Kontrolle des Tempolimits an. Im Bereich Verkehr wird das REK am konkretesten. So werden eine neue und eine alte Entlastungsidee eingeworfen. Der Verkehr ins Diegtertal soll über eine früher schon bestehende und im Zusammenhang mit der Umfahrung schon einmal angeregte Unterführung von der Netzen- in die Itingerstrasse auf der Höhe des Schlosses Ebenrain abgeleitet werden, um den Knotenpunkt Sonnenkreuzung/ Postplatz zu entlasten. Und mit einer Erschliessung eines neuen Wohngebiets im Osten wird eine zusätzliche Anbindung an das Ostportal der Umfahrung mit einer Brücke über die Ergolz in Erwägung gezogen.

Im Fussgänger- und Velobereich werden die suboptimalen Zustände an der Rheinfelderstrasse und in der Bahnunterführung Zunzgerstrasse zur Verbesserung angeregt – und auch die künftige Ausgestaltung der Bahnhofstrasse im Zusammenhang mit den Neuüberbauungen muss an die Hand genommen werden, um die Balance zwischen Durchgangs- und Querungsverkehr zu halten.

Das REK geht nun bis zum 12. Juli ins Mitwirkungsverfahren. Nach der Bereinigung wird es vom Gemeinderat verabschiedet und dient als behördenverbindliches Arbeitsinstrument im Rahmen der bevorstehenden Zonenplanrevisionen.

 

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