Hansjörg Schneider – Schriftsteller

Fr, 22. Mär. 2019

«Krimis sind wunderbare Literatur»

Sissach  |  Schriftsteller Hansjörg Schneider zu Gast im Nachtcafé 

Morgen wird Hansjörg Schneider 81 Jahre alt. Kurz vor dem ­Geburtstag hat der Krimiautor im Nachtcafé der «Volksstimme» im Gespräch mit Moderator ­Robert Bösiger vor allem über sein kreatives Schaffen und seine ­bekanntesten Werke ­berichtet.

Peter C. Müller 

«Wie wird man Schriftsteller?» Diese Frage stand sprichwörtlich im Raum und machte Hansjörg Schneider im «Volksstimme»-Nachtcafé erst einmal nachdenklich und wortkarg zugleich: «Ganz einfach: Indem man schreibt», sagte der über 80-jährige Krimiautor. Doch so einfach, wie sich dies anhöre, sei es keineswegs. Er sei schon oft, vor allem von angehenden Autorinnen und Autoren, gefragt worden, wie man denn eine Laufbahn als Dramatiker starten könne. Ein Rezept, so Hansjörg Schneider, gebe es für ihn nicht: «Für mich ist bei einem guten Schriftsteller nicht die Menge an Veröffentlichungen ausschlaggebend, sondern dass man ihn gerne liest.»

Hansjörg Schneider hat dabei den eher klassischen Weg von Prosawerken über Theaterstücke und Gedichte bis hin zu einer Autobiografie hinter sich. Besonders bekannt geworden ist er dabei mit Krimis über Kommissär Hunkeler, die von 1993 bis 2017 erschienen sind und die fast alle vom Schweizer Fernsehen mit Mathias Gnädinger in der Hauptrolle verfilmt wurden.

Vom Reporter zum Dramatiker

In Aarau geboren, in Zofingen aufgewachsen und heute in Basel und im Schwarzwald lebend, studierte Hansjörg Schneider Germanistik, Geschichte und Psychologie. Er promovierte 1966 und arbeitete zunächst als Lehrer und Journalist – oder wie er es nennt als «Lokalreporter» – für die «Basler Nachrichten» und die «Nationalzeitung». «Hier habe ich gelernt, schnell, einfach und klar zu schreiben», erklärt Schneider. Später schrieb er erste kurze Stücke fürs Theater und wurde nach einer für ihn eindrücklichen Begegnung mit Regisseur Werner Düggelin dessen Assistent.

Für grosse Bekanntheit, ja fast schon Aufsehen, sorgte dann das «Sennetuntschi», das 1972 erschien und in dem junge Bauern aus einer Weinflasche, einer Mistgabel, Stroh und Käse eine erotische Figur basteln, um sich mit ihr zu vergnügen. Als das «Sennetuntschi» am Fernsehen gezeigt wurde, sei die Empörung gross gewesen, sagt der Autor. Und an einer medienkritischen Sendung des Schweizer Fernsehens zum Theaterstück habe er gar nicht erst teilgenommen, um Anpöbelungen in der Öffentlichkeit aus dem Weg zu gehen. «Doch die Aufführung des Stücks hatte auch seine positiven Seiten», erklärt Hansjörg Schneider, «sie hat meinen Bekanntheitsgrad gesteigert und ich konnte endlich vom Schreiben den Lebensunterhalt meiner kleinen Familie mit Frau und Zwillingen bestreiten.»

Dramaturgie und Dynamik

In den darauffolgenden Jahrzehnten schrieb der Dramatiker vor allem Gedichte, aber auch Prosawerke, bis 1993 sein erster Hunkeler-Krimi mit dem Titel «Silberkiesel» erschien. «Da habe ich gemerkt, was für ein schönes Schreiben das ist», sagte Schneider. «Krimis haben viele Dialoge, fantastische Beschreibungen von Situationen sowie eine packende Dramaturgie und gute Dynamik. Krimis sind eine wunderbare Art von Literatur.»

Seine Geschichten habe er dabei von Anfang bis Ende im Kopf, führt der Krimiautor aus. Und von Beginn weg habe er bei Kommissär Hunkeler an Mathias Gnädinger in der Titelrolle gedacht: Der Schweizer Schauspieler sei einfach ein Sympathieträger und habe wie kein anderer diese Rolle verkörpert. Er habe sich deshalb auch sehr dafür eingesetzt, dass Gnädinger die Figur des Kommissärs spielen durfte.

Preisgekröntes Schaffen

Vor Kurzem ist nun zu Schneiders 80. Geburtstag seine Autobiografie «Kind der Aare» erschienen. Der Dramatiker ist mit zahlreichen Preisen bedacht worden. Besonders gefreut habe ihn dabei der im Jahr 2005 verliehene und nach dem Schweizer Schriftsteller benannte Friedrich-Glauser-Preis, einer der renommiertesten Preise für Krimiautoren. «Ich liebe diesen Autor ­einfach, ebenso wie ich Werke von Martin Walser, Georges Simenon oder Raymond Chandler sehr schätze.» 

Ärgert es Schneider, dass Kommissär Hunkeler vielleicht bekannter ist als sein Erschaffer? «Nein, keineswegs», sagt der Autor lächelnd und auch etwas stolz, «das muss man erst einmal schaffen, dass die Figur bekannter ist als sein Erfinder.»

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