Max Rüdlinger – Schauspieler und Autor

Do, 23. Nov. 2017

«Der Griesgram ist nur mein Image»

Er ist Schauspieler, Autor und auch ein Lebenskünstler: Max Rüdlinger. Vergangene Woche war er zu Gast im Nachtcafé und erzählte humorvoll über seine Kindheit, Filmaktivitäten und sein heutiges Leben als Pensionär.

Zur Welt gekommen und aufgewachsen ist der heute 68-jährige Max Rüdlinger in Flums. Sein Vater war Prokurist in einer Bank, seine Mutter besorgte den Haushalt. Schon früh zog es ihn aber nach Zürich, wie er im Gespräch mit Moderator Robert «Bobby» Bösiger verriet: «In Flums, in diesem schlauchartigen Dorf, habe ich den Schatten auf meiner Seele gefasst, da war es mir zu eng. Heute lebe ich sehr gerne in der Grossstadt. Ich bin von ganzem Herzen Zürcher.»

Seine Kindheit verlief recht be­hütet, ohne grosse Probleme: Im Kindergarten war er bei den Mädchen sehr beliebt. Später in der Grundschule war er ein Musterschüler: «Dort hatte ich als Wandtafelchef das erste und einzige Mal in meinem Leben eine höhere Funktion», meint der Schauspieler selbstironisch. 

Es braucht eine Portion Frechheit

In seinen frühen Zwanzigern rebellierte das Einzelkind Max dann gegen den bürgerlichen Lebensstil, brach das Wirtschaftsstudium ab, war – wie er selbst sagt – linksradikal und ein Sozialrebell. In den 1980er-Jahren begann dann die langjährige Zusammenarbeit mit Regisseur Clemens Klopfenstein: Es entstanden Schweizer Filmklassiker wie «E Nachtlang Füürland», «Der Ruf der Sibylla» oder «Macao – die Rückseite des Meeres». Mit von der Partie war schon damals Rüdlingers spätere Lebenspartnerin Christine Lauterburg, die auch im Nachtcafé anwesend war und Max ab und zu ein Stichwort ­zurief.

Und was muss man mitbringen, um Schauspieler zu werden? «Eine Portion Frechheit», meint Max Rüdlinger spitzbübisch: «Man muss von sich selbst überzeugt sein – viel mehr braucht es nicht.» Den grossen Durchbruch habe er allerdings nie geschafft, gesteht der Schauspieler offenherzig. Dennoch war Max Rüdlinger auch in den letzten Jahren in namhaften Schweizer Filmen zu sehen, wie zum Beispiel in «Achtung, fertig, Charlie!», «Mein Name ist Eugen» oder «Hugo Koblet». Oft spielt er dabei den schlecht gelaunten Typen, der für seine Mitmenschen nicht viel übrig hat. «Der Griesgram ist aber nur mein Image», stellt Rüdlinger klar. «Ich habe nichts gegen meine Mitmenschen.» Vielleicht korrespondiere auch sein äus­seres Erscheinungsbild nicht mit seinem Innen­leben: «Das Strahlen nach aussen ist mir nicht gegeben.»

Beruflich sei er wohl nie auf dieser Welt angekommen, meint Max Rüdlinger, der heute auch als Autor tätig ist und im Nachtcafé eine Kostprobe seines Schaffens vorlas. «Ich bin auch nicht wirklich ein Schriftsteller.» Dennoch zeigt sich der heutige Pensionär zufrieden: «Ich hatte es nicht schlecht im Leben.» Ein einziges Mal habe er seine Miete kaum bezahlen können und er habe auch vom Arbeitsamt keine Unterstützung erhalten, obwohl er sie gebraucht hätte. 

Heute sei er nicht mehr gross auf der Suche: Er habe die verschiedensten Reisen unternommen, sei zum Beispiel mit dem Velo ans Nordkap geradelt, und er habe auch die spirituellen Erfahrungen gemacht, auf die er mal gehofft habe. Momentan lese er wieder viel, führe ein Tagebuch und veröffentliche ab und zu neue Geschichten. Auf eine grosse Rolle hofft er nicht mehr. Schliesslich sei die Schauspielerei ein wenig wie Eis­hockeyspielen: «Es gibt viele Zufälligkeiten, man ist auf andere angewiesen und das Parkett, auf das man sich begibt, ist ziemlich rutschig.»

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