Sara Stalder – Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

Do, 19. Okt. 2017

Wenn David gegen Goliath kämpft …

Die Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, Sara Stalder, hat am Donnerstag im Nachtcafé der «Volksstimme» von ihren Hauptaufgaben und den damit verbundenen Aus­wirkungen auf ihr Familienleben erzählt.

Weisses Jäckchen kombiniert mit einem schwarzen T-Shirt und schwarzen Hosen sowie schicken Schuhen: Sara Stalder kommt gerade vom Vorgespräch mit Moderator Robert Bösiger zum «Volksstimme»-Nachtcafé in die Obere Fabrik in Sissach und zeigt sich sehr zufrieden: «Es war alles perfekt, auch wenn ich sonst eher etwas ohne Fleisch esse.»

Als Geschäftsleitern der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) in Bern ist Sara Stalder eher kritisch eingestellt – vor allem im Beruf, aber manchmal auch im Privatleben: Ab und zu habe sie schon so etwas wie eine «Déformation professionelle», meint die dreifache Mutter am Donnerstagabend. Dies zeige sich vor ­allem, wenn sie mit ihren Töchtern auf Einkaufstour sei: «Da muss ich dem Familienfrieden zuliebe auch mal ein Auge zudrücken, vor allem, wenn qualitativ minderwertige Schuhe gekauft werden.» Als ehemalige Lehrerin und Schulleiterin möchte sie aber sowohl ihren Mitarbeitenden als auch der Familie gegenüber bewusst nicht besserwisserisch daherkommen.

Fehlender Wille im Parlament
Und wie ist Stalder mit dem Konsumentenschutz in unserem Land zufrieden? Im Vergleich zur Europäischen Union sei man in der Schweiz in den vergangenen zwanzig Jahren, was die Gesetzgebung anbelangt, extrem zurückgefallen, kritisiert sie: «Im parlamentarischen Prozess fehlt oft einfach der Wille zur Veränderung.»

«Dauerbrenner» ihrer Arbeit als Konsumentenschützerin seien unter anderem das Online-Rückgaberecht, der Schutz von Anlegern oder das Kleingedruckte in Verträgen. In jüngster Zeit beschäftige die SKS aber vor allem auch der Dieselabgas-Skandal oder die «Hochpreisinsel Schweiz». «Seit Jahren zahlen wir in der Schweiz für absolut identische Produkte massiv mehr als zum Beispiel in Deutschland», kritisiert Sara Stalder: «Und das Parlament schaut dieser Abzocke einfach tatenlos zu.» Die SKS hat deshalb zusammen mit verschiedenen Partnern die eidgenössische Volksinitiative «Stop der Hochpreisinsel – für faire Preise» lanciert.

Ein weiteres Thema für den Konsumentenschutz sei zudem – nicht nur in der Schweiz – die «geplante Obsolenz» von Haushaltgeräten, also die schon von Anfang an eingebauten Schwachstellen bei Kaffeemaschinen, Mixern oder elektrischen Zahnbürsten, die so nicht mehr repariert werden könnten und einfach weg­geworfen werden müssten. Ein «unhaltbarer Zustand», wie die SKS-­Geschäftsleiterin findet, gegen den die immer häufiger ins Leben gerufenen Repair-Cafés auch nicht helfen könnten.

«Es ist eben sehr oft ein Kampf wie David gegen Goliath», sagt die Emmentalerin. Zudem habe die Stiftung ein unglaublich breites Betätigungsfeld, das sie mit relativ wenig Personal bewältigen müsse: «Unsere Devise», so Sara Stalder abschlies­send, «heisst deshalb: Schwerpunkte setzen, fokussieren und weiter rege unsere vielfältigen Kontakte pflegen – ohne zu resignieren.»

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