Massimo Ceccaroni – FCB-Legende

Do, 14. Sep. 2017

«Ich weiss, woher ich komme»

Ein bestens gelaunter Massimo Ceccaroni ist am Donnerstag Gast im «Volksstimme»-Nachtcafé ­gewesen. In der Oberen Fabrik in Sissach gewährte er Einblicke in den aktuellen FC Basel, seine eigene Karriere und seine heutige Rolle als Nachwuchschef.

Jürg Gohl, selbst erfahrener Sportjournalist und Sportfan, legt gleich zu Beginn den Finger in die Wunde. «Der FC Basel hat jetzt vier Spiele hintereinander nicht gewonnen. Was ist los?», fragt der «Volksstimme»-Chefredaktor Massimo Ceccaroni, der als Verwaltungsrat und Mitglied der technischen Kommission ein wichtiger Bestandteil des «neuen» FCB ist. «Ich versuche, das Glas halb voll statt als halb leer zu sehen», antwortete «Cecca». Der Klub befinde sich an ­einem Neuanfang. «Wir haben etwas Grossartiges übernommen. Wir möchten nun unseren eigenen Weg gehen. Der wird steinig und schwer. Aber wir wollen ihn gehen.» 

Wie kein anderer FCB-Spieler ­repräsentierte Massimo Ceccaroni während seiner 15-jährigen Karriere die Stadt Basel. Und dass gerade das Oberbaselbiet nicht immer mit Begeisterung nach Basel blickt, ist auch dem gebürtigen Italiener nicht entgangen. Mit einem Schmunzeln bedankte er sich deshalb ausführlich für die Einladung ins Baselbiet nach Sissach. Die Sympathien in der sehr gut besetzten Oberen Fabrik hatte er so schnell auf seiner Seite. 

Die Geschichte mit dem Penalty
Ceccaroni wurde schon zu seiner ­aktiven Zeit als knallharter Verteidiger zur Kultfigur. Aber ein Tor in der Nationalliga A wollte ihm nie gelingen. Selbst einen Elfmeter gegen die Grasshoppers auf der Schützenmatte konnte er nicht verwandeln. Ob ­dieses Null-Tore-Image sogar seine Popularität noch verstärkte, wollte Jürg Gohl wissen. «Ich glaube nicht», entgegnete die ehemalige Nummer 2 nachdenklich. Ceccaroni gab offen zu, dass es ihn manchmal schon störe, immer auf diese Torbilanz ­reduziert zu werden. «Ich muss ja den Spass immer mitmachen. Aber ehrlich gesagt, nervt es manchmal schon.» Er habe die ganze Karriere beim FCB verbracht. «Immer mit vollem Einsatz, Überzeugung und Hilfe für die Gemeinschaft», beschreibt sich Ceccaroni rückblickend. «Ich bin stets authentisch geblieben. Das kam wohl gut an.»

Heute sieht er sich auch als ruhender Pol innerhalb der technischen Kommission zwischen Sportchef Marco Streller und Berater Alex Frei. «Sie können schon mal sehr engagiert und emotional miteinander diskutieren», gibt er einen kleinen Einblick ins Innenleben der aktuellen sportlichen Führung des FCB. Mit seiner Erfahrung, seinem Know-how als Trainer und einem Stück Gelassenheit leistet er seinen Beitrag zum Gelingen des neuen FCB, der vermehrt auf junge Talente aus dem ­eigenen Nachwuchs setzen will.

Als Nachwuchschef ist Massimo Ceccaroni einer der wichtigsten ­Protagonisten, um das von Präsident Bernhard Burgener eingeschlagene Konzept «Für immer Rot-Blau» umzusetzen. In der Diskussion mit Jürg Gohl relativiert er den ihnen von ­gewissen Seiten vorgeworfenen «Jugendwahn» beim FCB. «Wir definieren uns noch immer in erster Linie über den Erfolg», stellte er klar. 

Frisuren und Tattoos
Von grossen Erfolgen war Massimo Ceccaronis Karriere mit Ausnahme des legendären Aufstiegs von der NLB in die NLA 1994 nicht gekrönt. Als der FCB 2002 auf den ersten Meistertitel seit über 20 Jahren zusteuerte, setzte ihn Trainer Christian Gross auf die Bank. Gerade zu Christian Gross pflegte er als Spieler ein spezielles Verhältnis. «Natürlich siezten wir uns. Erst, als ich nach meiner aktiven Karriere die Uefa-Pro-Lizenz als Trainer bestand, bot er mir das Du an.» Über einen Wechsel zu einem anderen Verein machte sich Ceccaroni indes keine ernst­haften Gedanken. «Ich hatte zwei ­Angebote, vom FC Luzern und vom FC Aarau. Aber das kam für mich nicht infrage.» 

Ceccaroni war nie der Star einer Mannschaft. Über grosse Gehalts­unterschiede machte er sich nie ­Gedanken. «Ich gehörte zu keiner Zeit zu den Grossverdienern. Im Vergleich zu heute waren die damaligen Summen sowieso nichts.» Wegen Geld dürfe es im Fussball keine Affinitäten geben, findet Ceccaroni. «Bei mir war es jedenfalls so. Ich wusste immer und weiss, woher ich komme.» Einen Berater hatte er nie. «Es ist heute definitiv zu viel Geld im Spiel. Die Spieler verlieren so doch den ­Bezug zur Realität. Es geht zu oft nur noch um Frisuren und Tattoos.»

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