Andrea Schenker – Rektorin Universität Basel

Do, 22. Jun. 2017

«Baselland sollte gerne in die Uni investieren»

Andrea Schenker-Wicki, die Rektorin der Universität Basel, hat im Nachtcafé Einblicke in die momentane Situation «ihrer» Institution gegeben, aber auch von ihrem persönlichen Werdegang und ihrer familiären Situation erzählt.

Sie ist wahrlich eine gute Botschafterin der Uni Basel: Seit August 2015 ist die 58-jährige Andrea Schenker Rektorin der akademischen Bildungseinrichtung und bemüht sich seither, Vertreterinnen und Vertretern der Politik und der Wirtschaft, aber auch der breiten Bevölkerung in der Region die momentane Situation der Ins­titution klarzumachen. 

So auch am vergangenen Donnerstag im Nachtcafé der «Volksstimme», als sie, befragt von Moderator Robert Bösiger, sowohl dem Pub­likum als auch einigen anwesenden Politikerinnen und Politikern wie Nationalrätin Maya Graf oder alt Regierungsrat Urs Wüthrich Rede und Antwort stand und vor allem die Wichtig-, ja fast schon Notwendigkeit der Partnerschaft mit dem Kanton Baselland betonte.

Tradition und Fortschritt
«Die Universität Basel ist ein Juwel. Sie ist etwas, um das uns andere Länder beneiden, und auf das wir stolz sein können», erklärte die Wirtschafts­professorin, die auch schon in Wissenschaftsräten in Deutschland oder Österreich Einsitz hatte. Wichtig sei es derzeit deshalb, den Spagat zwischen Tradition und Fortschritt zu wagen, neue Geldquellen – auch in der Wirtschaft – zu erschliessen und das wissenschaftliche Know-how gerade im Life-Sciences-Bereich voranzutreiben.

«Dass wir weltweit zu den 100 besten Universitäten gehören», so Andrea Schenker, «ist einerseits unglaublich, andererseits aber auch eine grosse historische Verpflichtung.» Die nationale und internationale Konkurrenz mit Universitäten in den USA – und neuerdings auch in China – werde immer grösser. Von grossem Wert sei es da, gute Partnerschaften mit anderen Bildungsinstitutionen zu haben, wie zum Beispiel mit der ETH Zürich, aber auch in Wirtschaft und Politik gut verankert zu sein. «Es ist deshalb für uns ganz wichtig», so die Rektorin, «dass der Kanton Baselland, und hier vor allem seine Regierung, an der Partnerschaft mit der Universität festhält.» 

Grundlagen hierfür, so Andrea Schenker, sollte aber nicht nur der Staatsvertrag, sondern auch eine «gewisse emotionale Bindung» sein: «Das Baselbiet sollte gerne in die Uni investieren.» Deshalb sei man derzeit auch an der Evaluation weiterer universitärer Standorte im Baselbiet. Bisher seien die Sportwissenschaften in Muttenz untergebracht, und für das Tropeninstitut sei ein neuer Standort in Allschwil geplant. Ein «längerfristiges Ziel» in Zusammenhang mit der Baselbieter Partnerschaft, so die Professorin, sei zudem ein Sitz für den Kanton Baselland im nationalen Hochschulrat – vielleicht anstelle des Juras.

Familiäre Unterstützung
Traumberuf der heute 58-jährigen Wirtschaftsprofessorin war ursprünglich Krankenschwester oder Ärztin. Doch da sie nach eigenen Angaben kein Blut sehen konnte, entschied sie sich für die Lebensmittel- und zusätzlich die Wirtschaftswissenschaften. «Heute bin ich sehr dankbar, dass ich diese breit gefächerte Ausbildung machen durfte», erklärte die Rektorin. «Sie hat mir ein gutes Verständnis für die Natur- und die Geisteswissenschaften eröffnet.»

Von 1990 bis 1997 war Andrea Schenker als wissenschaftliche Mitarbeiterin und ab 1993 als Informationsverantwortliche an der Nationalen Alarmzentrale in Zürich tätig. Es folgten Tätigkeiten am damaligen Bundesamt für Bildung und Wirtschaft, als Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der Uni Zürich und als Prorektorin für Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an derselben Institution. Eines ihrer Spezialgebiete ist die Evaluation von Hochschulen. Mit diesem Thema befasste sie sich auch in ihrer Habilitationsschrift von 1995.

Heute pendelt die Mutter zweier Kinder noch immer zwischen Zürich und Basel hin und her. Tatkräftig unterstützt wird sie dabei von ihrem Mann, der sein Pensum etwas reduziert habe, und von ihrem Sohn und der Tochter: «Ohne die Zustimmung des Familienrats hätte ich meine Tätigkeit in Basel nie aufgenommen», sagt die Rektorin mit partizipativem Führungsstil. Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, sei in ihrem Fall nicht allzu schwer gewesen. Dennoch sei dies auch etwas, das sie sich für die Uni Basel zum Ziel gesetzt habe. Ausserdem setze sie sich auch für die Frauenförderung ein, auch wenn sie sich in ihrer Position als Rektorin nicht als Vorbild für die Frauen sieht.

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